HM Straße: Titel für Marc Tortell und Simone Raatz
  17.11.2021 •     HLV , Leistungssport , Wettkampfsport


Hessische „late season“ endet mit den Straßenlaufmeisterschaften in der Darmstädter Heimstättensiedlung - Robin Schüßler und Maja Severloh U20-Meister - Tristan Kaufhold in der M15 wiederum eine Klasse für sich

Das Memory Field, seit 2006 die Homebase der Darmstadt Whipetts, war vergangenen Sonntag Anlaufstation für die hessischen Straßenläufer, die am Ende einer durch Corona-Pandemie erzwungenen „late season“ mit gleich einer Ansammlung von Titelkämpfen auf Bundes- und Landesebene um die Meisterschaften über 10 km bzw. 5 km gefordert waren. Das Gedränge auf dem kleinen Gelände des Darmstädter Baseball-Zweitligaclubs war gewiss überschaubar, denn zwischen dem 5 km-Lauf und dem 10 km-Lauf lag genügend Zeit, damit die Läuferschar den notwendigen Ortswechsel vornehmen konnte.

Pünktlich zur Siegerehrung der 10 km-Tagesschnellsten Marc Tortell und Simone Raatz durchbrach letztlich sogar noch die Sonne die am Mittag dominierende Nebelsuppe, die Stimmung zudem ausgesprochen freundlich. HLV-Präsident Klaus Schuder fiel es entsprechend leicht, ein positives Resümee zu ziehen: „Wir dürfen natürlich dem Ausrichter Troia-Laufevents für die tolle Organisation ein Kompliment machen, der diese Meisterschaften in kurzer Zeit in die bestehende Veranstaltung integrieren konnte. In der Spitze gab es gute Zeiten, in der Breite waren wir gut aufgestellt. Nach der Vorgeschichte um die Ausrichtung wurden die nun auf November verlegten Meisterschaften gut angenommen.“ Vorgeschichte deshalb, weil die Bensheimer Organisatoren von „Rock and Run“ wegen der Corona-Auflagen die Meisterschaften im September zurückgeben mussten und Troia-Laufevents bei der südhessischen Terminbörse spontan in die Bresche gesprungen war.  

Direkt aus einem sechswöchigen Kenia-Trainingslager angereist dominierte Marc Tortell nach kurzer Anfangsbegleitung von Lorenz Rau das 10 km-Rennen nach Belieben. „Ich bin schon mit Ambitionen ins Rennen gegangen“, so der DM-Vierte von Braunschweig über 1500 m. „Natürlich hatte ich durch das Trainingslager in Iten eine ideale Vorbereitung, allerdings bin ich das Rennen direkt aus dem Training heraus gelaufen, aber es hat sich sehr gut angefühlt“, so der 24-Jährige vom Athletics Team Karben. Schließlich bedeutete die Siegerzeit von 30:44 Minuten sogar Hausrekord. „Das hat aber nichts zu bedeuten, denn meinen letzten Zehner bin ich vor vier Jahren gelaufen.“

In Kenia standen im Verbund mit Amanal Petros, Julien Wanders und Co. längere Dauerläufe an, diese allerdings in weitaus hügeligerem Gelände als der brettebene Kurs am Memory Field. Schon in einer Woche geht der mit 3:37,41 zu Buche stehende Marc Tortell erneut ins Trainingslager, diesmal aber mit seinem Disziplinkollegen Robert Farken nach Südafrika. Für die WM-/EM-Saison 2022 hat sich Marc Tortell einiges vorgenommen, auch wenn die Messlatte der Qualifikationsnormen hoch liegt. „Mein Ziel ist definitiv München, auch wenn die 3:36-Norm schon ein Hammer ist.“

Fast eine Minute hinter Marc Tortell kam mit Lorenz Rau der Vizemeister nach 31:42 ins Ziel – und mit nahezu gleichem Abstand dahinter der Drittplatzierte Nils Bergmann (32:33), beide übrigens mit Jahrgang 1998. Hinter Julius Martiny, seinem Teamkollegen beim SSC Hanau-Rodenbach, folgte Dominik Müller mit Jahrgang 2000. Zusammen mit dem Achten Salvatore Fabian Sposato wurde der SSC Hanau-Rodenbach mit fünf Minuten Vorsprung Mannschaftssieger vor dem TV Waldstraße.

Kurios der Kampf um den schnellsten Mastersläufer: Bei Zeitgleichheit von 34:07 gewann Jens Bäss dank der besseren Nettozeit den Titel vor Claudius Pyrlik. Etwas zurück dann der M40-Meister Karim El Malki mit 34:22, der allerdings eher auf den kurzen 800 m- und 1500 m-Strecken zuhause ist. Noch unter die zwanzig besten Hessen lief auf Rang 19 der M55-Meister Markus Riefer mit 36:34 Minuten.

Im Wochentakt läuft derzeit Robin Schüßler Bestzeiten. Als Einlaufzehnter steigerte er seine in Jügesheim erzielten 33:50 in Darmstadt mit 33:43 Minuten erneut, der für den DSW 1912 Darmstadt startende Triathlet holte sich als „Leichtathlet“ im Trikot des TV Trebur den U20-Hessentitel knapp vor Tobias Schuster (33:55). Bei der weiblichen Jugend war Maja Severloh vom Hünfelder SV mit 37:30 Schnellste.    

Einen Coup der besonderen Art gelang bei den Frauen Simone Raatz. Die W45-Berglauf-Weltmeisterin zeigte sich nach dreijähriger Abstinenz wieder einmal über die 10 km-Distanz und blieb bei ihrem Alleingang mit Heimspielcharakter mit 35:52 Minuten als einzige Frauenstarterin unter der 36-Minuten-Marke. Und dies zudem noch mit dem Handicap, sieben Kilometer mit einem gelösten Schnürsenkel laufen zu müssen. „Vielleicht muss ich anstelle eines Lauftrainings einen Schnürsenkel-Bindekurs belegen“, scherzte die 45-Jährige vom ASC Darmstadt, die Freude über ihren Start-Ziel-Sieg jedenfalls war ihr deutlich anzumerken. „Wenn man im Frühjahr noch eine Bandscheiben-OP hatte, dann sind die Erfolge mit dem WM- und den beiden DM-Titeln und nun die tolle 10 km-Zeit in diesem Jahr besondere Geschenke.“ Und berechnete die sieben eher engen Wendepunkte mit einem Malus von 15 Sekunden ein, vom offenen Schuh überhaupt nicht zu sprechen. Ihre persönliche Bestmarke resultiert übrigens aus 2009 – und steht bei 34:47 Minuten.  

Die Darmstädterin war dabei derart furios gestartet, dass die vermeintlichen Favoritinnen wie Anna Starostzik und Franziska Baist oder die überraschend starke Lena Erja Müller schon rasch das Nachsehen hatten. Zwischen den drei Verfolgerinnen entwickelte sich ein spannendes Duell mit dem besseren Ende für Anna Starostzik. „Nach dem Saisonhöhepunkt bei den deutschen Halbmarathonmeisterschaften habe ich etwas lockerer trainiert. Mit 1:16:14 habe ich dabei immerhin meine Bestzeit um gleich zwei Minuten verbessert.“ Mit 36:16 sicherte sie sich nicht nur Rang zwei, sondern legte den Grundstock für den knappen Mannschaftserfolg für Spiridon Frankfurt vor dem nur zwanzig Sekunden dahinter folgenden ASC Darmstadt.

„Ich habe mich noch nicht völlig von Jügesheim erholt“, gestand Franziska Baist, die sich vor Wochenfrist erst als Tagesschnellste beim Auftakt der Winterlaufserie im Rodgau auf 35:53 Minuten verbessert hatte. „Allerdings waren wir ein gutes Duo und konnten uns gegenseitig gegen den Wind abstimmen“, so die Bad Homburgerin, die in der Schlussrunde gegen Anna Starostzik noch 15 Sekunden verlor. Als Vierte sicherte sich Stephanie Weiß in 36:36 Minuten zugleich die W40-Wertung. Mit 39:52 blieb die W50-Meisterin Susanne Heinbach noch unter der 40-Minuten-Marke. Beachtliche 43:48 Minuten lief im Feld der 37 Frauen die W65-Erste Cornelia Wagener.

Text und Fotos: Wilfried Raatz


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